Egbert Lütke Fahle WERKSCHAU – Arbeiten von 1984 bis 2026

Am 8. Mai um 19 Uhr eröffnet die Werkschau von Egbert Lütke Fahle in der Ausstellungshalle Hawerkamp. Matthis Visser (Antwerpen) wird eine Einführung in die Ausstellung geben.

Musikalisch ergänzen Annika Seifert und Ava Flix (Zürich) den Abend mit Geige und Cello.

Nach der Vernissage bleibt die Ausstellung bis zum 31. Mai jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet.

Öffnungszeiten:

FR & SA: 16 – 19 Uhr
SO: 12 – 18 Uhr

Zusätzlich geöffnet am 3.6. im Rahmen des Hawerkamp-Festivals: 19:30 – 24 Uhr

Zur Ausstellung:
Ein verwittertes Brett, ein verrostetes Zahnrad, eine verlorene Spielfigur, ein gebleichter Tierschädel: Die Dinge, die Egbert Lütke Fahle sammelt, haben im Gegensatz zu vielen konventionellen Sammlungen keinerlei ökonomischen Wert. Es sind Fundstücke, die ihn gefunden haben. Er hat sie nicht gesucht, sondern bemerkt. Im Wald, auf dem Sperrmüll, am Strand, auf der Straße. Menschendinge sind dabei, Gemachtes, aber ebenso natürlich Gewachsenes und Gestorbenes. Sammeln bedeutet für ihn, Dinge zu retten, vor der Vergessenheit, vor dem Vergehen. Dinge, die schon vergessen wurden, am Vergehen sind. Jedes erzählt eine einzigartige Geschichte des Verlusts: ein Tier hat sein Leben verloren, ein Kind sein Spielzeug, ein Zahnrad seine Funktion im komplexen Getriebe. Erst mit der Zeit, manchmal nach einer sehr langen Zeit des Sammelns und Aufhebens, des Ansehens und stummen Reifens kombiniert Lütke Fahle die eigenwilligen Teile miteinander oder mit selbst hergestellten Objekten zu neuen Formen, neuem Sinn. Manchmal benutzt er Stift und Farben. Dann wird seine Ausbildung und langjährige Berufstätigkeit als Grafiker sichtbar.

Seit über vierzig Jahren entstehen so Skulpturen und Reliefe, die mal eine fast kindliche Freude am bildlichen Bauen ausstrahlen, wie die Serie der „Boote“: verwitterte Holzrümpfe mit skurrilen Auf- und Anbauten aus Beschlägen, Plastikstücken, Seilresten. Oder um eine formale und fragile Reduktion kreisen: „Kleine Hirsche“, Stöcke von jeweils einem ausgewiesenen Fundort, zusammengebunden zu luftigen Tiersilhouetten, Mischwesen aus Skelett und Strauch. Biographisches blitzt verschlüsselt in der Arbeit „Selbst“ auf: Das in geisterhaften Grautönen auf eine alte Holztür gemalte Portrait des Vaters in Uniform, auf dessen Schulter ein überraschend farbenfrohes Rotkehlchen sitzt. Lütke Fahle lässt sich von formalen Aspekten seiner Dinge und Materialien leiten, fühlt sich ein in Struktur und Farbton, Proportion und Oberfläche. Die Ästhetik mancher Arbeiten erinnert dabei in Farbigkeit und Materialwahl an Beuys, der für ihn prägend war. Bedeutung entsteht in diesem Prozess des Sammelns und Kombinierens unbewusst und meist sekundär. Einige der Skulpturen dieser Werkschau, deren zentrales Thema Vergänglichkeit und die menschliche Angst vor ihr ist, vergehen über die Jahre buchstäblich selbst. Federn werden von Milben zerfressen, Holzwürmer bohren sich in Planken. Diese Endlichkeit begreift und akzeptiert Lütke Fahle inzwischen als Teil der künstlerischen Praxis. Wann jedoch eine Arbeit und die ihr vorausgehende Sammlung beendet ist, lässt sich nicht sagen. Theoretisch ist sie ein nahezu unendliches Phänomen.

Anna Stern